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CDU-Sommertour macht Station beim SSZV: Schaf- und Ziegenhalter fordern Planungssicherheit

CDU-Sommertour macht Station beim SSZV (© Fotograf: Christian Blümel) (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: CDU-Sommertour macht Station beim SSZV (© Fotograf: Christian Blümel)

Erweiterte Beiratssitzung mit Staatsminister von Breitenbuch und Landtagsabgeordneten in Großrückerswalde


Im Rahmen ihrer Sommertour besuchte die CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags auf Einladung des Abgeordneten Andreas Heinz am 12. August 2026 eine erweiterte Beiratssitzung des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes e. V. (SSZV) in Großrückerswalde. Zu dem Termin in der „Alten Flugschule“ kamen der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Georg-Ludwig von Breitenbuch, die Referatsleiterin „Tierische Erzeugnisse“ des SMUL, Annett Bugner, sowie CDU-Landtagsabgeordnete des Arbeitskreises Ländlicher Raum. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 und die wirtschaftlichen Perspektiven der Schaf- und Ziegenhaltung in Sachsen.


Uwe Wicher, Geschäftsführer der „Alte Flugschule“ stellte den Tagungsort. Der Ort bietet eine stationäre Entwöhnungsbehandlung für Menschen mit Drogenabhängigkeit an. Die Arbeit mit Nutztieren, darunter Bunte Deutsche Edelziegen und Braune Bergschafe, wirkt sich nachweislich positiv auf den Therapieverlauf aus. Auf dem angeschlossenen Arche-Hof werden zudem vom Aussterben bedrohte Rinder- und Schweinerassen betreut.


In seiner Begrüßung erinnerte der Vorsitzende des SSZV, Schäfermeister Markus Lehmann, an frühere Gespräche, etwa im Betrieb „Heidegut Dahlen“, und wertete das Treffen als Zeichen einer guten, langjährigen Zusammenarbeit. Er machte deutlich, wie ernst die Lage aus seiner Sicht ist: „Mir macht die Frage Sorgen, wie viele wirtschaftlich arbeitende Schäfereien wir in zehn Jahren überhaupt noch haben werden.“ Viele Betriebsleiter stünden vor der Frage der Hofnachfolge. Sei eine Herde einmal aufgelöst, lasse sich ein Betrieb nicht ohne Weiteres wiederaufbauen. Zugleich würden Schafe heute mehr denn je gebraucht, als Landschaftspfleger, für den Hochwasserschutz an Mulde und Elbe und für den Erhalt von Grünland und Biotopen. Diese Leistungen müssten sich für die Betriebe aber auch wirtschaftlich tragen.


Für den Verband knüpfte der stellvertretende Vorsitzende Toni Jacob daran an und fasste die Anliegen der Branche in vier Forderungen zusammen: Erstens brauche es langfristige Planungssicherheit durch den Freistaat Sachsen. Zweitens müssten in der GAP ab 2028 Tier- und Flächenförderung zusammengedacht werden. Drittens müssten die Leistungen der Schafhaltung angemessen honoriert werden, und die Betriebe bräuchten dafür verfügbare Flächen. Viertens müsse jetzt in die Zukunft der Branche investiert werden, in Wirtschaftlichkeit, Beratung, Betriebsnachfolge und Nachwuchs.


Ausführlich ging Jacob auf die Förderrichtlinie Schaf- und Ziegenhaltung (FRL SZH) ein und dankte ausdrücklich für dieses Programm, das in der Praxis tatsächlich funktioniere, direkt beim Tierhalter ankomme und den zusätzlichen Aufwand durch Herdenschutz berücksichtige. Aktuell würden über die Richtlinie bis zu 55 Euro je Tier gezahlt, abhängig von Tierzahl und Haushaltsmitteln, derzeit rund drei Millionen Euro jährlich. Jacob warb bei Minister und Abgeordneten für eine langfristige und solide finanzielle Grundlage dieses sächsischen Instruments.


Zur künftigen GAP machte Jacob deutlich, dass weder eine reine Flächenförderung noch eine reine Tierprämie ausreiche. Nötig sei ein Gesamtpaket aus einer gekoppelten Tierprämie und einer wirksamen Honorierung von Naturschutz-, Biodiversitäts- und Landschaftspflegeleistungen auf der Fläche.
Bei der Flächenvergabe, etwa bei der Deichpflege oder bei Pachtflächen des Freistaats, dürfe künftig nicht allein der höchste Pachtpreis entscheiden. Wer Tiere halte, die Fläche pflege und ein funktionierendes Weidesystem aufrechterhalte, müsse ebenso zählen. Wo eine naturschutzfachlich sinnvolle Beweidung möglich sei, solle sie gegenüber rein technischer Pflege grundsätzlich Vorrang haben.


Jacob betonte zugleich die Eigenverantwortung der Branche: Effizienz, Vermarktung und Arbeitszeit der Betriebe müssten stärker in den Blick genommen werden. Der Verband denkt hierzu über eine eigene sächsische Datengrundlage und perspektivisch über eine schaf- und ziegenbezogene Beratungskompetenz nach. Auch neue Schafhaltung, etwa auf größeren Ackerbaubetrieben mit Grünland- oder Zwischenfruchtflächen, soll stärker in den Fokus rücken. Für die Nachwuchsgewinnung brachte Jacob zudem die Idee eines gemeinsamen Feriencamps mit der Landesstiftung Natur und Umwelt ins Gespräch.


Zum Thema Wolf verwies der Verband auf die laufende Überarbeitung des sächsischen Jagdgesetzes und würdigte die enge Einbindung der Weidetierhalterverbände. Kritisch sieht der SSZV den vorgesehenen Haushaltsvorbehalt beim Herdenschutz und fordert dessen Streichung, da die Verstetigung des Herdenschutzes Voraussetzung für die Weidetierhaltung sei.


Staatsminister von Breitenbuch und Andreas Heinz, Vorsitzender des Arbeitskreises Ländlicher Raum, Umwelt, Landwirtschaft im Sächsischen Landtag, gingen auf die Ausführungen ein und verwiesen auf die insgesamt schwierige Lage der Landwirtschaft sowie auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. In der offenen Runde schilderten zahlreiche Schaf- und Ziegenhalter die wirtschaftliche Situation ihrer Betriebe und sprachen Förderung, Herdenschutz und Bürokratieabbau an.
 

Beide Seiten bewerteten den Austausch als wichtiges Signal für die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Berufsstand. Markus Lehmann fasste das Anliegen des Verbandes zusammen: „Wir möchten, dass es auch in zwanzig Jahren noch Berufsschäfer, Züchter, Herden und Weidetiere in Sachsen gibt. Das schaffen wir nur, wenn wir jetzt gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen.“